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Fahrradhelm kaufen und richtig einstellen: Größe, Normen, MIPS und Austausch

Welcher Fahrradhelm passt zu dir? Kopfumfang messen, Helmtypen vergleichen, Normen und Rotationsschutz verstehen, den Helm richtig einstellen und wissen, wann er ersetzt werden muss.

Von der VELNIXO Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

In Deutschland gibt es für normale Fahrräder und Pedelecs keine Helmpflicht. Trotzdem trägt inzwischen ein großer Teil der Radfahrenden einen Helm, und das aus gutem Grund: Bei Stürzen sind Kopfverletzungen häufig und oft schwer. Ein gut sitzender Helm kann die Wucht eines Aufpralls deutlich verringern. Er schützt aber nur, wenn er passt, richtig eingestellt ist und nicht zu alt ist.

Dieser Ratgeber erklärt, wie du die richtige Größe findest, welche Helmtypen es gibt, was Normen und Rotationsschutz bedeuten, wie du den Helm einstellst und wann es Zeit für einen neuen ist.

Wie ein Fahrradhelm schützt

Ein Fahrradhelm besteht meist aus einer harten, dünnen Außenschale und einem Kern aus Hartschaum, in der Regel EPS. Bei einem Aufprall verformt sich dieser Schaum und nimmt dabei Energie auf, die sonst auf den Kopf wirken würde. Deshalb ist ein Helm ein Einweg-Schutz: Nach einem harten Sturz ist der Schaum gestaucht, auch wenn man von außen nichts sieht.

Die Außenschale sorgt dafür, dass der Helm über die Straße rutscht, statt hängen zu bleiben, und schützt den Schaum im Alltag vor Kratzern und Druckstellen. Bei hochwertigen Helmen ist die Schale mit dem Schaum verschweißt, man spricht von In-Mold-Bauweise. Sie ist leichter und stabiler als eine nur aufgeklebte Schale.

Normen: woran du einen geprüften Helm erkennst

In Europa müssen Fahrradhelme die Norm EN 1078 erfüllen. Sie steht innen im Helm, meist auf einem Aufkleber, zusammen mit dem CE-Zeichen, dem Herstellungsdatum und der Größe. Kauf keinen Helm ohne diese Angaben.

Für S-Pedelecs, die bis 45 km/h unterstützen, gilt eine Helmpflicht. Hier werden Helme nach der niederländischen Norm NTA 8776 empfohlen. Sie sind für höhere Geschwindigkeiten geprüft, schützen einen größeren Bereich des Kopfes und sind etwas schwerer. Ein normaler Fahrradhelm ist bei 45 km/h kein vollwertiger Ersatz.

Rotationsschutz: MIPS und ähnliche Systeme

Bei vielen Stürzen trifft der Kopf nicht senkrecht, sondern schräg auf. Dabei entstehen Drehkräfte, die das Gehirn belasten können. Einige Hersteller bauen deshalb Systeme ein, die eine kleine Bewegung zwischen Kopf und Helm zulassen und diese Drehkräfte verringern sollen. Das bekannteste ist MIPS, eine dünne, gleitende Innenschale. Andere Hersteller haben eigene Lösungen.

Ob ein solches System für dich sinnvoll ist, hängt vom Budget ab. Ein gut sitzender Helm ohne Rotationsschutz ist besser als ein schlecht sitzender mit. Wenn der Preisunterschied für dich vertretbar ist, ist ein Helm mit Rotationsschutz aber eine sinnvolle Wahl.

Die richtige Größe finden

Die Größe eines Helms richtet sich nach dem Kopfumfang. So misst du ihn:

  1. Nimm ein flexibles Maßband.
  2. Lege es etwa einen Finger breit über den Augenbrauen und über die breiteste Stelle am Hinterkopf.
  3. Lies den Umfang in Zentimetern ab und miss zur Sicherheit zweimal.

Hersteller geben für jede Helmgröße einen Bereich an, etwa 54 bis 58 Zentimeter. Liegt dein Kopfumfang an der Grenze zwischen zwei Größen, probiere beide. Die Kopfform ist von Person zu Person unterschiedlich: Manche Helme passen eher zu runden, andere eher zu ovalen Köpfen. Deshalb lohnt es sich, mehrere Modelle aufzusetzen.

Der Sitztest im Laden

  • Ohne Riemen: Setz den Helm auf und neige den Kopf nach vorne. Ein passender Helm bleibt kurz sitzen, ohne dass du das Kopfband festziehen musst.
  • Druckstellen: Trag den Helm einige Minuten. Drückt er an der Stirn oder an den Schläfen, ist es das falsche Modell.
  • Mit Brille: Wenn du eine Brille oder Sonnenbrille trägst, probiere den Helm damit.

Helmtypen im Überblick

TypEigenschaftenGeeignet für
Urbanhelmgeschlossene, glatte Form, oft mit integriertem LichtStadt, Pendeln, Alltag
Trekking- und Allroundhelmgute Belüftung, Visier optionalTouren, Alltag, Freizeit
Rennradhelmsehr leicht, viele Lüftungsöffnungen, aerodynamischsportliches Fahren auf der Straße
MTB-Helmtiefer gezogen am Hinterkopf, VisierGelände, Trails
Fullface-Helmmit KinnbügelDownhill, Bikepark
S-Pedelec-Helm (NTA 8776)größerer Schutzbereich, geprüft für höhere GeschwindigkeitS-Pedelecs

Für den Alltag ist ein Urban- oder Allroundhelm meist die beste Wahl. Achte bei Pendelhelmen auf eine gute Belüftung, denn im Sommer wird es sonst schnell warm, und auf ein integriertes Rücklicht oder Reflexflächen.

Den Helm richtig einstellen

Ein Helm schützt nur, wenn er richtig sitzt. So gehst du vor:

  1. Position: Der Helm sitzt waagrecht auf dem Kopf und bedeckt die Stirn. Zwischen Augenbrauen und Helmrand sollten etwa zwei Finger Platz haben. Ein Helm, der weit hinten auf dem Kopf sitzt, schützt die Stirn nicht.
  2. Kopfring: Stell das Rad oder den Drehverschluss am Hinterkopf so ein, dass der Helm fest, aber ohne Druck sitzt. Schüttelst du den Kopf, sollte er nicht verrutschen.
  3. Seitenriemen: Die vorderen und hinteren Riemen bilden unter jedem Ohr ein Y. Der Verteiler sollte knapp unter dem Ohrläppchen liegen und das Ohr frei lassen.
  4. Kinnriemen: Schließe den Kinnriemen so, dass zwischen Riemen und Kinn ungefähr ein Finger passt. Er darf beim Schlucken nicht drücken, aber der Helm darf sich nicht vom Kopf ziehen lassen.
  5. Test: Versuche, den Helm mit der Hand nach hinten und nach vorne zu schieben. Er sollte sich kaum bewegen und nicht die Stirn freigeben.

Kontrolliere die Einstellung regelmäßig, besonders wenn du im Winter eine Mütze unter dem Helm trägst. Dafür gibt es dünne Helmmützen, die die Passform kaum verändern. Dicke Wintermützen sind keine gute Idee.

Wann ein Helm ersetzt werden muss

  • Nach jedem Sturz mit Kopfaufprall: Auch wenn nichts zu sehen ist, kann der Schaum gestaucht sein. Der Helm hat seine Arbeit getan und muss ersetzt werden.
  • Nach einem harten Fall: Fällt der Helm aus großer Höhe auf einen harten Boden, sollte er ebenfalls ersetzt werden.
  • Bei sichtbaren Schäden: Risse, Dellen, abgelöste Schale oder beschädigte Riemen sind ein klares Zeichen.
  • Nach einigen Jahren: Viele Hersteller empfehlen einen Austausch nach etwa fünf Jahren, weil Material durch Sonne, Schweiß und Temperaturwechsel altert. Das Herstellungsdatum steht im Helm.

Manche Hersteller bieten nach einem Sturz einen Rabatt auf einen neuen Helm an. Es lohnt sich, danach zu fragen.

Pflege und Aufbewahrung

  • Reinige den Helm mit lauwarmem Wasser und milder Seife. Lösungsmittel, Reiniger mit Alkohol und Aufkleber mit aggressivem Klebstoff können den Schaum beschädigen.
  • Die Innenpolster lassen sich meist herausnehmen und mit der Hand waschen.
  • Lass den Helm nicht in der prallen Sonne im Auto liegen, große Hitze schadet dem Material.
  • Häng den Helm nicht am Lenker auf, wenn das Rad umfallen kann, und wirf ihn nicht achtlos auf den Boden.

Kinder und Helme

Kinder stürzen häufiger als Erwachsene, und ihr Kopf ist im Verhältnis zum Körper größer. Ein Helm ist für sie besonders wichtig, und Kinder tragen ihn eher, wenn die Eltern es auch tun. Achte auf:

  • Passende Größe statt Wachstumsreserve: Ein zu großer Helm schützt schlecht. Viele Kinderhelme lassen sich über ein Kopfband in einem Bereich anpassen.
  • Leichtes Gewicht und gute Belüftung, damit der Helm nicht stört.
  • Helm absetzen beim Spielen: Auf dem Spielplatz und beim Klettern muss der Helm ab, weil sich die Riemen sonst verfangen können.

Mehr dazu im Ratgeber zum sicheren Radfahren mit Kindern.

Was kostet ein guter Helm?

KategoriePreisrahmen
Einfacher geprüfter Helm30 bis 60 Euro
Guter Alltags- oder Trekkinghelm60 bis 120 Euro
Helm mit Rotationsschutz und integriertem Licht100 bis 200 Euro
S-Pedelec-Helm nach NTA 8776100 bis 250 Euro

Ein teurer Helm ist nicht automatisch sicherer, alle geprüften Helme erfüllen dieselbe Grundnorm. Mehr Geld bringt meist weniger Gewicht, bessere Belüftung, mehr Komfort und Zusatzfunktionen. Am wichtigsten bleibt die Passform.

Helm und Haftung

Immer wieder wird gefragt, ob man nach einem Unfall ohne Helm eine Mitschuld bekommt. Nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs führt das Fahren ohne Helm bei normalen Alltagsradlern in der Regel nicht zu einer Kürzung von Schadensersatz, weil es keine Helmpflicht gibt. Bei sportlichem Fahren, etwa im Rennradtraining, haben Gerichte das teilweise anders beurteilt. Die Rechtslage kann sich weiterentwickeln. Unabhängig davon gilt: Der Helm schützt deinen Kopf, nicht deinen Anspruch.

Häufige Irrtümer

IrrtumRichtig ist
„Ein Helm schützt nur bei schnellem Fahren."Viele Kopfverletzungen entstehen bei langsamen Stürzen im Stadtverkehr, etwa beim Abrutschen an einer Bordsteinkante.
„Mein Helm sieht nach dem Sturz noch gut aus, also ist er in Ordnung."Der Schaum kann innen gestaucht sein, ohne dass man es sieht.
„Ein zu großer Helm lässt sich mit dem Kopfband ausgleichen."Das Kopfband hilft nur in einem kleinen Bereich. Ein zu großer Helm verrutscht beim Aufprall.
„Der Helm darf weit hinten sitzen, das ist bequemer."Dann ist die Stirn ungeschützt, die bei Stürzen nach vorne oft zuerst aufschlägt.
„Ein gebrauchter Helm ist ein gutes Schnäppchen."Du weißt nicht, ob er schon einen Sturz hatte. Kauf Helme lieber neu.

Checkliste vor jeder Fahrt

  • Sitzt der Helm waagrecht und bedeckt die Stirn?
  • Ist der Kinnriemen geschlossen und nicht verdreht?
  • Sind Polster und Riemen in Ordnung?
  • Ist das integrierte Rücklicht geladen, wenn dein Helm eines hat?

Es dauert nur wenige Sekunden, und mit der Zeit wird es zur Gewohnheit.

Fazit

Ein Fahrradhelm ist in Deutschland nicht vorgeschrieben, kann aber bei Stürzen schwere Kopfverletzungen verhindern. Kauf einen Helm mit EN-1078-Kennzeichnung, der zu deinem Kopfumfang und deiner Kopfform passt, und stell ihn sorgfältig ein: waagrecht, zwei Finger über den Augenbrauen, Riemen als Y unter den Ohren, Kinnriemen mit einem Finger Platz. Ersetze ihn nach jedem Sturz und nach einigen Jahren. Für S-Pedelecs gilt Helmpflicht, hier ist ein Helm nach NTA 8776 die richtige Wahl.

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