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Fernradwege in Deutschland: die schönsten Routen an Flüssen, Küsten und durch die Mittelgebirge

Ein Überblick über bekannte Fernradwege in Deutschland: Elbe, Weser, Donau, Main, Mosel, Rhein, Ostsee- und Nordseeküste, dazu das Radnetz Deutschland, ADFC-Qualitätsradrouten und Tipps zur Auswahl.

Von der VELNIXO Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Deutschland ist ein Land für Radreisende. Ein dichtes Netz von Fernradwegen führt an großen Flüssen entlang, über alte Bahntrassen, an Nord- und Ostsee vorbei und durch die Mittelgebirge. Viele dieser Routen sind durchgehend ausgeschildert, verlaufen größtenteils abseits des Autoverkehrs und haben eine gute Infrastruktur mit Unterkünften, Gasthöfen, Werkstätten und Bahnhöfen.

Dieser Ratgeber stellt bekannte Fernradwege vor, erklärt, wie die Routen gekennzeichnet sind und woran du erkennst, welche Strecke zu dir passt. Die angegebenen Längen sind Richtwerte, denn viele Routen haben Varianten, Abstecher und Abschnitte im Ausland.

Wie Fernradwege organisiert sind

Das Radnetz Deutschland

Das Radnetz Deutschland, früher D-Netz genannt, verbindet zwölf überregionale Routen, die das ganze Land durchziehen. Dazu gehören etwa die Nordseeküsten- und die Ostseeküstenroute, die Rhein-Route, die Donauroute, der Elberadweg und der Oder-Neiße-Radweg. Die Routen sind mit einem eigenen Logo gekennzeichnet, das zusätzlich zur regionalen Beschilderung angebracht ist.

EuroVelo

Einige Routen sind Teil von EuroVelo, dem europäischen Fernradwegenetz. Wer zum Beispiel am Rhein entlangfährt, ist auf der EuroVelo 15 unterwegs, die von der Quelle in den Schweizer Alpen bis zur Mündung in die Nordsee führt. Für grenzüberschreitende Touren ist EuroVelo eine gute Orientierung.

ADFC-Qualitätsradrouten

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club zeichnet Radrouten mit einem bis fünf Sternen aus. Bewertet werden unter anderem Wegbeschaffenheit, Beschilderung, Verkehrsbelastung, Routenführung, Tourismusangebote und die Anbindung an Bahnhöfe. Eine Route mit vier oder fünf Sternen ist in der Regel gut ausgebaut und gut ausgeschildert. Für Einsteiger ist das eine hilfreiche Orientierung.

Flussradwege: ideal für Einsteiger

Flussradwege sind die beliebtesten Fernradwege, und das aus gutem Grund: Sie sind meist flach, die Orientierung ist einfach, und entlang der Flüsse liegen viele Städte, Dörfer und Bahnhöfe. Wer flussabwärts fährt, hat ein leichtes Gefälle, wenn auch oft kaum spürbar.

Elberadweg

Der Elberadweg gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten Radwegen Deutschlands. Er führt allein in Deutschland weit über 800 Kilometer von der Sächsischen Schweiz an der tschechischen Grenze bis zur Nordsee bei Cuxhaven, und mit dem tschechischen Abschnitt ist er noch deutlich länger. Unterwegs liegen Dresden, Meißen, die Lutherstadt Wittenberg, Magdeburg und Hamburg, dazu Elbsandsteingebirge, Auenlandschaften und das Biosphärenreservat an der mittleren Elbe. Die Strecke ist überwiegend flach und gut ausgebaut, an manchen Stellen gibt es Varianten auf beiden Flussseiten.

Weser-Radweg

Der Weser-Radweg beginnt in Hann. Münden, wo Werra und Fulda zur Weser zusammenfließen, und führt rund 500 Kilometer bis an die Nordsee bei Cuxhaven oder Bremerhaven. Er verläuft durch das Weserbergland mit seinen Fachwerkstädten, an der Rattenfängerstadt Hameln vorbei, durch Minden und Bremen. Ein guter Weg für eine erste längere Tour von etwa einer Woche.

Donauradweg

Der Donauradweg ist einer der bekanntesten Flussradwege Europas. In Deutschland führt er von Donaueschingen im Schwarzwald über Ulm, Ingolstadt und Regensburg bis Passau, rund 600 Kilometer. Viele Radreisende fahren weiter nach Österreich, wo der Abschnitt von Passau nach Wien zu den meistbefahrenen Radwegen Europas zählt. Im deutschen Teil ist besonders der Abschnitt durch das Obere Donautal mit seinen Kalkfelsen ein Höhepunkt.

Main-Radweg

Der Main-Radweg verbindet die Quellen des Weißen und des Roten Mains in Oberfranken mit der Mündung in den Rhein bei Mainz, rund 600 Kilometer. Er führt durch Franken mit seinen Weinbergen, an Bamberg, Würzburg und Aschaffenburg vorbei bis nach Frankfurt. Der Main-Radweg war eine der ersten Routen, die vom ADFC mit fünf Sternen ausgezeichnet wurden.

Mosel-Radweg

Der Mosel-Radweg folgt dem Fluss durch eines der bekanntesten Weinbaugebiete Deutschlands. Der deutsche Teil führt rund 250 Kilometer von der Grenze bei Perl über Trier, Bernkastel-Kues und Cochem bis zur Mündung in den Rhein am Deutschen Eck in Koblenz. Die Strecke ist flach, landschaftlich spektakulär und hat viele Weinorte mit Unterkünften. Eine gute Wahl für Genussradler.

Rheinradweg

Der Rheinradweg ist Teil der EuroVelo 15 und führt von den Schweizer Alpen bis zur Nordsee in den Niederlanden, insgesamt deutlich über 1.000 Kilometer. In Deutschland gehören das Mittelrheintal mit seinen Burgen zwischen Bingen und Koblenz, die Strecke durch Köln und Düsseldorf und der Oberrhein zwischen Basel und Karlsruhe zu den bekannten Abschnitten. Der Weg ist meist flach, im Mittelrheintal aber stellenweise eng und nah an Straße und Bahn.

Weitere Flussradwege

  • Altmühltal-Radweg: durch den Naturpark Altmühltal in Bayern, landschaftlich reizvoll und überschaubar.
  • Ruhrtalradweg: von der Quelle im Sauerland durch das Ruhrgebiet bis zur Mündung in den Rhein bei Duisburg, mit vielen Spuren der Industriegeschichte.
  • Fulda- und Werra-Radweg: durch die Mitte Deutschlands bis zum Beginn der Weser, gut kombinierbar mit dem Weser-Radweg.
  • Oder-Neiße-Radweg: entlang der deutsch-polnischen Grenze von der Quelle der Neiße bis zur Ostsee, ruhig und naturnah.
  • Saale-Radweg und Neckartal-Radweg: mit Burgen, Weinbergen und alten Universitätsstädten.

Küstenradwege

Ostseeküsten-Radweg

Der Ostseeküsten-Radweg führt in Deutschland über 1.000 Kilometer von Flensburg bis zur Insel Usedom an der polnischen Grenze. Unterwegs liegen Kiel, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, die Insel Rügen und viele Badeorte. Die Strecke ist überwiegend flach, aber an der Steilküste und in Schleswig-Holstein gibt es auch hügelige Abschnitte. Im Sommer ist an der Küste viel los, im Frühsommer und frühen Herbst ist es ruhiger.

Nordseeküsten-Radweg

Der Nordseeküsten-Radweg ist Teil der EuroVelo 12, die einmal rund um die Nordsee führt. In Deutschland verläuft er von der niederländischen bis zur dänischen Grenze, oft direkt auf oder hinter dem Deich. Die Landschaft ist flach, aber der Wind kann die Etappen sehr anstrengend machen. Wer von West nach Ost fährt, hat oft Rückenwind, weil der Wind an der Nordsee überwiegend aus Westen weht.

Routen durch Mittelgebirge und Regionen

Wer Abwechslung und mehr Höhenmeter sucht, findet in den Mittelgebirgen schöne Routen, etwa im Schwarzwald, im Harz, in der Rhön, im Thüringer Wald oder auf der Schwäbischen Alb. Viele davon nutzen alte Bahntrassen, die nur geringe Steigungen haben. Diese Routen sind sportlicher und eignen sich gut für Pedelecs.

Bodensee-Radweg

Der Bodensee-Radweg führt einmal rund um den See durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, insgesamt etwa 260 Kilometer. Er ist gut in vier bis fünf Tagen zu schaffen und bietet Alpenblick, Inseln wie Mainau und Reichenau, Weinberge und Obstgärten. Fähren über den See ermöglichen Abkürzungen.

Radweg Berlin–Kopenhagen

Der Radweg Berlin–Kopenhagen verbindet zwei Hauptstädte auf rund 630 Kilometern. Er führt durch die Seenlandschaft Brandenburgs und Mecklenburgs, an die Ostsee und mit der Fähre nach Dänemark. Eine abwechslungsreiche Route für zwei Wochen, die sich auch in Abschnitten fahren lässt.

Bahntrassenradwege: sanfte Steigungen auch im Gebirge

Eine Besonderheit sind Radwege auf stillgelegten Bahnstrecken. Weil Eisenbahnen nur geringe Steigungen bewältigen konnten, sind auch die Radwege auf ihren alten Trassen sanft ansteigend, selbst wenn sie durch Mittelgebirge führen. Oft gehören Viadukte, Tunnel und alte Bahnhöfe zur Strecke, die heute Cafés oder Museen beherbergen. In vielen Regionen, etwa in der Eifel, im Sauerland, im Bergischen Land, in der Rhön oder im Erzgebirge, sind solche Wege entstanden. Sie eignen sich hervorragend für Familien und für alle, die Mittelgebirgslandschaften ohne steile Anstiege erleben möchten. Viele Bahntrassenradwege sind asphaltiert, manche haben eine wassergebundene Decke, die bei Nässe etwas weicher wird.

Die Beschilderung lesen

Auf Fernradwegen findest du verschiedene Arten von Schildern:

  • Wegweiser mit rotem oder grünem Text auf weißem Grund zeigen Ziele und Entfernungen. Sie folgen in den meisten Bundesländern einem einheitlichen Standard.
  • Zwischenwegweiser sind kleinere Schilder mit Pfeil, die an Abzweigungen ohne großen Wegweiser die Richtung bestätigen.
  • Routenlogos sind kleine Plaketten, die unter den Wegweisern hängen. Jede Route hat ihr eigenes Logo, etwa eine stilisierte Welle oder ein Symbol der Region. Folge dem Logo deiner Route.
  • Umleitungsschilder in Gelb weisen auf Baustellen oder gesperrte Abschnitte hin.

Bei gut ausgeschilderten Routen kommst du fast ohne Karte aus. Eine Karte oder App als Ergänzung ist trotzdem sinnvoll, um Abstecher zu planen und bei fehlenden Schildern die Richtung zu prüfen.

Welcher Fernradweg passt zu mir?

WunschPassende Route
Erste mehrtägige Tour, flach und einfachWeser-Radweg, Mosel-Radweg, Abschnitte des Elberadwegs
Kultur und StädteElberadweg, Main-Radweg, Donauradweg
Wein und GenussMosel-Radweg, Main-Radweg durch Franken, Rheinradweg im Rheingau
Meer und StrandOstseeküsten-Radweg, Nordseeküsten-Radweg
Ruhe und NaturOder-Neiße-Radweg, Altmühltal-Radweg
GrenzüberschreitendBodensee-Radweg, Donauradweg nach Wien, Berlin–Kopenhagen
Etwas sportlicherRouten in Mittelgebirgen, Bahntrassenradwege

Tipps für die Planung

  • Abschnitte wählen: Du musst keinen Fernradweg komplett fahren. Ein Abschnitt von drei bis sieben Tagen ist für viele die ideale Länge.
  • Flussabwärts fahren: Das leichte Gefälle und die oft günstigere Windrichtung machen die Tour etwas leichter.
  • Bahnanbindung prüfen: An großen Flussradwegen liegen viele Bahnhöfe. So kommst du gut hin und zurück und kannst bei Bedarf abkürzen.
  • Unterkünfte buchen: An beliebten Radwegen sind Unterkünfte in den Sommerferien schnell ausgebucht.
  • Offizielle Routeninformationen nutzen: Viele Fernradwege haben eigene Webseiten mit Karten, GPX-Dateien, Hinweisen auf Umleitungen und Verzeichnissen fahrradfreundlicher Unterkünfte.
  • Umleitungen beachten: Hochwasser, Bauarbeiten oder gesperrte Abschnitte kommen vor. Informiere dich vor der Tour.

Mehr zur Planung im Ratgeber zur Radtourplanung und zur Fahrradmitnahme in der Bahn.

Fazit

Deutschland bietet Fernradwege für jeden Geschmack: flache Flussradwege an Elbe, Weser, Donau, Main, Mosel und Rhein, Küstenrouten an Nord- und Ostsee und sportlichere Strecken durch die Mittelgebirge. Die Routen des Radnetzes Deutschland, die europäischen EuroVelo-Routen und die ADFC-Sterne helfen bei der Auswahl. Für Einsteiger sind flache Flussradwege mit guter Bahnanbindung ideal. Wähle einen Abschnitt, der zu deiner Zeit und Kondition passt, fahre flussabwärts und plane Unterkünfte in der Hochsaison rechtzeitig. Dann wartet eine Reise, die man so schnell nicht vergisst.

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