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Platten flicken und Schlauch wechseln: Schritt für Schritt, auch unterwegs

So reparierst du einen platten Fahrradreifen: Laufrad ausbauen, Reifen abziehen, Loch finden, flicken oder Schlauch wechseln, Ursache beseitigen und alles sicher wieder einbauen.

Von der VELNIXO Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Ein platter Reifen ist die häufigste Panne beim Radfahren. Früher oder später erwischt es jeden: eine Glasscherbe auf dem Radweg, ein spitzer Stein, ein Dorn im Feldweg oder einfach ein zu niedriger Reifendruck, bei dem der Schlauch an einer Kante eingeklemmt wird. Die gute Nachricht: Mit etwas Übung ist ein Platten in fünfzehn bis zwanzig Minuten behoben, auch am Straßenrand.

In diesem Ratgeber zeigen wir dir, welches Werkzeug du brauchst, wie du das Laufrad ausbaust, das Loch findest, den Schlauch flickst oder wechselst und wie du verhinderst, dass der Reifen sofort wieder platt ist.

Werkzeug und Material

Für eine Reparatur unterwegs reichen wenige Dinge, die in eine kleine Satteltasche passen:

  • zwei bis drei Reifenheber aus Kunststoff,
  • Flickzeug mit Flicken, Vulkanisierlösung und Schmirgelpapier, oder selbstklebende Flicken,
  • ein Ersatzschlauch in der richtigen Größe und mit dem richtigen Ventil,
  • eine Pumpe, die zu deinem Ventil passt,
  • eventuell ein Multitool mit Innensechskant- und Gabelschlüssel, falls deine Laufräder verschraubt sind.

Zu Hause ist eine Standpumpe mit Manometer und eine Schüssel mit Wasser zum Finden kleiner Löcher hilfreich.

Welche Ventile gibt es?

Bevor du einen Schlauch kaufst oder pumpst, musst du dein Ventil kennen:

  • Dunlop-Ventil (Blitzventil, Fahrradventil): Klassisch an Alltagsrädern, mit einer Überwurfmutter.
  • Sclaverand-Ventil (Presta, französisches Ventil): Schmal, mit einer kleinen Rändelmutter an der Spitze, die vor dem Pumpen aufgedreht werden muss. Typisch an Renn-, Gravel- und vielen Trekkingrädern.
  • Schrader-Ventil (Autoventil): Wie am Auto, häufig an Mountainbikes und manchen Pedelecs. Es lässt sich auch an der Tankstelle aufpumpen.

Die Größe des Schlauchs steht auf der Reifenflanke, zum Beispiel „42-622“ oder „28 x 1.60“. Die erste Zahl ist die Reifenbreite in Millimetern, die zweite der Felgendurchmesser. Der Schlauch muss für diese Größe passen.

Schritt 1: Laufrad ausbauen

Vorderrad

  1. Bei Felgenbremsen die Bremse öffnen, damit der Reifen durchpasst. Bei V-Brakes wird dazu das Zugrohr aus der Halterung gehängt.
  2. Schnellspanner öffnen oder die Achsmuttern lösen. Bei Steckachsen die Achse herausdrehen.
  3. Das Rad aus der Gabel nehmen. Bei Scheibenbremsen den Bremshebel nicht ziehen, solange das Rad ausgebaut ist, sonst rücken die Beläge zusammen.

Hinterrad mit Kettenschaltung

  1. In den kleinsten Gang hinten schalten. Das erleichtert Aus- und Einbau.
  2. Bremse öffnen bei Felgenbremsen.
  3. Schnellspanner, Steckachse oder Muttern lösen.
  4. Das Schaltwerk leicht nach hinten ziehen und das Laufrad nach unten aus dem Rahmen führen.

Hinterrad mit Nabenschaltung

Bei Nabenschaltungen muss zusätzlich der Schaltzug gelöst werden, bei Rücktrittbremsen die Bremsstrebe am Rahmen. Wie das genau geht, hängt vom Modell ab. Es lohnt sich, das einmal zu Hause zu üben oder sich beim Händler zeigen zu lassen. Unterwegs kann man einen Schlauch auch flicken, ohne das Hinterrad ganz auszubauen: Man hebelt den Reifen auf einer Seite ab, zieht den Schlauch heraus, flickt das Loch und legt ihn wieder ein.

Schritt 2: Reifen von der Felge lösen

  1. Restluft ablassen: Bei Dunlop die Überwurfmutter lösen, bei Presta die Rändelmutter aufdrehen und drücken, bei Schrader den Ventilkern eindrücken.
  2. Reifen in die Felgenmitte drücken: Drücke den Reifenwulst rundherum von der Felgenkante in die Mitte der Felge. Dort ist das Felgenbett tiefer, und der Reifen wird lockerer.
  3. Reifenheber ansetzen: Gegenüber dem Ventil einen Reifenheber unter den Reifenwulst schieben und den Reifen über die Felgenkante hebeln. Den Heber an einer Speiche einhaken.
  4. Zweiten Heber ansetzen: Etwa zehn Zentimeter daneben den zweiten Heber ansetzen und den Reifen weiter abhebeln. Danach lässt sich der Reifen meist mit dem Heber oder den Fingern rundherum lösen.
  5. Schlauch herausnehmen: Zuletzt das Ventil durch das Ventilloch der Felge drücken.

Meist reicht es, nur eine Seite des Reifens von der Felge zu lösen.

Schritt 3: Das Loch finden

  1. Schlauch aufpumpen: Etwas Luft hineinpumpen, sodass der Schlauch leicht über seine normale Größe hinaus gedehnt ist.
  2. Hören und fühlen: Bei größeren Löchern hört man das Zischen oder spürt den Luftstrom an Wange oder Lippen.
  3. Wasserbad: Bei kleinen Löchern den Schlauch abschnittsweise durch eine Schüssel mit Wasser ziehen. Wo Blasen aufsteigen, ist das Loch. Unterwegs hilft eine Pfütze oder etwas Wasser aus der Trinkflasche.
  4. Markieren: Die Stelle mit einem Kugelschreiber, Kreide oder einem Fingernagel markieren.

Achte auf die Art des Lochs:

  • Ein kleines Einzelloch stammt meist von einem Fremdkörper wie Glas oder einem Dorn.
  • Zwei kleine Schlitze nebeneinander, sogenannte Snakebites, entstehen durch Durchschlag an einer Kante, wenn der Reifendruck zu niedrig war.
  • Ein Loch auf der Innenseite zur Felge hin deutet auf ein verrutschtes oder defektes Felgenband oder eine scharfe Speichenkante hin.
  • Ein Riss am Ventil entsteht oft, wenn mit zu wenig Druck gefahren wurde und der Schlauch im Reifen gewandert ist.

Schritt 4: Die Ursache finden – der wichtigste Schritt

Bevor du flickst, musst du herausfinden, was den Platten verursacht hat. Sonst ist der Reifen nach wenigen Metern wieder platt.

  1. Schlauch an den Reifen legen: Lege den Schlauch so neben den Reifen, wie er darin saß, mit dem Ventil am Ventilloch. So findest du die Stelle am Reifen, die dem Loch entspricht.
  2. Reifen innen abtasten: Fahre mit den Fingern vorsichtig an der Innenseite des Reifens entlang. Vorsicht, Glassplitter und Drähte können scharf sein. Langsam und mit leichtem Druck tasten.
  3. Reifen außen prüfen: Suche nach steckenden Splittern, Dornen oder Steinchen.
  4. Felgenband prüfen: Es muss alle Speichenlöcher vollständig abdecken und darf nicht verrutscht oder beschädigt sein.

Fremdkörper vorsichtig mit einem Reifenheber oder einer Pinzette von innen nach außen herausdrücken.

Schritt 5a: Schlauch flicken

  1. Stelle anrauen: Die Umgebung des Lochs mit dem Schmirgelpapier aus dem Flickzeug leicht anrauen, etwas größer als der Flicken.
  2. Vulkanisierlösung auftragen: Eine dünne Schicht auf die angeraute Stelle streichen.
  3. Trocknen lassen: Je nach Produkt einige Minuten, bis die Lösung matt und nicht mehr klebrig ist. Das ist wichtig, sonst hält der Flicken nicht.
  4. Flicken aufdrücken: Die Schutzfolie vom Flicken abziehen, ohne die Klebefläche zu berühren, und den Flicken fest auf das Loch drücken. Von der Mitte nach außen streichen und einige Zeit fest drücken.
  5. Kurz warten: Danach den Schlauch leicht aufpumpen und prüfen, ob er dicht ist.

Selbstklebende Flicken sind schneller, halten aber meist nicht so dauerhaft wie klassische Vulkanisierflicken. Sie sind eine gute Notlösung für unterwegs.

Schritt 5b: Schlauch wechseln

Unterwegs ist es oft schneller, einen Ersatzschlauch einzulegen und den defekten Schlauch zu Hause in Ruhe zu flicken.

  1. Den neuen Schlauch leicht aufpumpen, sodass er rund wird. So verdreht er sich nicht und wird beim Montieren nicht eingeklemmt.
  2. Das Ventil durch das Ventilloch der Felge stecken.
  3. Den Schlauch rundherum in den Reifen legen, ohne ihn zu verdrehen.

Schritt 6: Reifen wieder montieren

  1. Beim Ventil beginnen: Den Reifenwulst gegenüber dem Ventil mit den Händen über die Felgenkante drücken und dann gleichmäßig in beide Richtungen arbeiten.
  2. Wulst in die Felgenmitte drücken: Damit der Reifen genug Spiel hat, den bereits montierten Wulst immer wieder in die tiefe Mitte der Felge drücken.
  3. Das letzte Stück: Am Ventil wird es eng. Mit beiden Daumen den Reifen über die Kante rollen. Wenn es nicht geht, vorsichtig einen Reifenheber verwenden, aber darauf achten, den Schlauch nicht einzuklemmen.
  4. Ventil hochdrücken: Das Ventil kurz in den Reifen drücken, damit der Schlauch am Ventil nicht unter dem Reifenwulst eingeklemmt ist.
  5. Kontrolle: Rundherum prüfen, ob irgendwo Schlauch zwischen Reifen und Felge hervorschaut.

Schritt 7: Aufpumpen und Laufrad einbauen

  1. Langsam aufpumpen: Zuerst nur wenig Druck aufbauen und prüfen, ob der Reifen gleichmäßig sitzt. Die feine Linie an der Reifenflanke sollte rundherum gleichmäßig knapp über der Felge verlaufen.
  2. Auf Betriebsdruck pumpen: Den empfohlenen Druckbereich von der Reifenflanke beachten.
  3. Laufrad einbauen: In umgekehrter Reihenfolge wie beim Ausbau. Das Laufrad muss mittig sitzen, der Schnellspanner fest geschlossen oder die Achse korrekt angezogen sein.
  4. Bremse schließen: Bei Felgenbremsen unbedingt die Bremse wieder einhängen. Bei Scheibenbremsen ein paar Mal den Hebel ziehen, bis die Beläge wieder richtig anliegen.
  5. Probefahrt: Bremsen testen, prüfen, ob das Rad rund läuft und nichts schleift.

Pannen vorbeugen

  • Richtiger Reifendruck: Zu wenig Druck ist eine der häufigsten Ursachen für Platten. Prüfe den Druck regelmäßig mit einem Manometer.
  • Pannenschutzreifen: Reifen mit einer Schutzschicht unter der Lauffläche halten viele Splitter und Dornen ab. Sie sind etwas schwerer, für Alltag und Touren aber sehr empfehlenswert.
  • Reifen regelmäßig absuchen: Kleine Splitter, die noch nicht durchgedrungen sind, lassen sich entfernen, bevor sie Schaden anrichten.
  • Scherben meiden: Wenn möglich um Glas auf dem Radweg herumfahren, Bordsteinkanten nicht frontal mit wenig Druck überfahren.
  • Schlauchlos und Dichtmilch: Manche Räder, vor allem Mountainbikes und Gravelbikes, fahren schlauchlos mit Dichtmilch. Kleine Löcher dichten sich dann selbst ab. Das System hat Vor- und Nachteile und braucht passende Reifen und Felgen.

Wenn der Reifen beschädigt ist

Hat ein Fremdkörper einen größeren Schnitt in den Reifen gemacht, drückt sich der Schlauch dort heraus und platzt erneut. Unterwegs kann ein Stück fester Kunststoff, eine gefaltete Banknote oder ein spezieller Reifenflicken von innen als Notlösung dienen, um langsam nach Hause zu kommen. Danach muss der Reifen ersetzt werden. Auch Risse in der Flanke oder ein sichtbares Gewebe sind ein Grund für einen neuen Reifen.

Fazit

Ein Platten ist ärgerlich, aber kein Drama. Mit Reifenhebern, Flickzeug, Ersatzschlauch und Pumpe bist du für die häufigste Panne gerüstet. Das Wichtigste ist, die Ursache zu finden und zu beseitigen, sonst steht man nach kurzer Zeit wieder am Straßenrand. Übe den Ablauf einmal in Ruhe zu Hause, dann klappt es unterwegs viel entspannter, und mit dem richtigen Reifendruck und guten Reifen wird der nächste Platten ohnehin seltener.

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