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Rahmengröße richtig bestimmen: Schrittlänge messen, Formel anwenden, Probe fahren

So findest du die passende Rahmengröße für Trekkingrad, Citybike, Mountainbike, Rennrad und Gravelbike: Schrittlänge messen, Formel nutzen und die Größe bei der Probefahrt prüfen.

Von der VELNIXO Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Die Rahmengröße ist die wichtigste Zahl beim Fahrradkauf, und gleichzeitig die, über die am meisten Unsicherheit herrscht. Ein Rad mit zu großem Rahmen ist schwer zu kontrollieren, du kommst beim Anhalten kaum mit den Füßen auf den Boden und musst dich weit nach vorne strecken. Ein zu kleiner Rahmen wirkt zunächst wendig, führt aber auf Dauer zu einer gestauchten Haltung, zu Knieschmerzen und zu verschenkter Kraft.

In diesem Ratgeber zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du deine Schrittlänge misst, wie du daraus eine Rahmenhöhe berechnest, warum die Formel nur ein Startpunkt ist und wie du bei der Probefahrt erkennst, ob ein Rad wirklich passt.

Was die Rahmengröße eigentlich angibt

Die klassische Rahmengröße beschreibt die Länge des Sitzrohrs, also des Rohres, in dem die Sattelstütze steckt. Gemessen wird meist von der Mitte des Tretlagers bis zum oberen Ende des Sitzrohrs. Bei Trekking-, City- und Rennrädern wird sie häufig in Zentimetern angegeben, bei Mountainbikes traditionell in Zoll. Viele Hersteller verwenden inzwischen aber Buchstabengrößen wie S, M, L oder XL.

Das Problem: Hersteller messen nicht einheitlich. Manche messen bis zur Oberkante des Sitzrohrs, andere bis zur Mitte des Oberrohrs. Bei modernen Rahmen mit stark abfallendem Oberrohr sagt die Sitzrohrlänge außerdem wenig darüber aus, wie lang sich das Rad anfühlt. Deshalb ist die Rahmengröße zwar ein guter erster Anhaltspunkt, aber nicht das letzte Wort.

Schritt 1: Die Schrittlänge richtig messen

Die Schrittlänge ist das Maß von deinem Schritt bis zum Boden. Sie ist für die Rahmengröße aussagekräftiger als die Körpergröße, weil Menschen gleicher Größe sehr unterschiedlich lange Beine haben können.

So misst du sie zuverlässig:

  1. Ziehe die Schuhe aus und stelle dich barfuß mit dem Rücken an eine Wand. Die Füße stehen etwa 15 bis 20 Zentimeter auseinander, ungefähr so breit wie auf den Pedalen.
  2. Nimm ein Buch mit festem Rücken oder eine Wasserwaage und schiebe sie waagerecht zwischen deine Beine nach oben, bis sie leicht und spürbar im Schritt anliegt, so wie ein Sattel.
  3. Markiere die Oberkante des Buches an der Wand mit einem Bleistift.
  4. Miss den Abstand von der Markierung bis zum Boden. Das ist deine Schrittlänge.

Am einfachsten geht das zu zweit. Miss am besten zweimal und nimm den Mittelwert. Schon ein Unterschied von zwei Zentimetern kann bei der Berechnung eine andere Größe ergeben.

Schritt 2: Die Formel für deinen Fahrradtyp

Aus der Schrittlänge lässt sich mit einem Faktor eine passende Rahmenhöhe errechnen. Die Faktoren unterscheiden sich je nach Fahrradtyp, weil die Sitzposition unterschiedlich ist.

FahrradtypFormelEinheit
City- und TrekkingradSchrittlänge × 0,66Zentimeter
RennradSchrittlänge × 0,665Zentimeter
GravelbikeSchrittlänge × 0,665 (etwas kleiner wählen, wenn zwischen zwei Größen)Zentimeter
MountainbikeSchrittlänge × 0,226Zoll
Mountainbike (in cm)Schrittlänge × 0,574Zentimeter

Ein Beispiel: Bei einer Schrittlänge von 84 Zentimetern ergibt sich für ein Trekkingrad 84 × 0,66 = 55,4 Zentimeter. Ein Rahmen zwischen 54 und 56 Zentimetern wäre also ein guter Ausgangspunkt. Für ein Mountainbike ergibt sich 84 × 0,226 = 19 Zoll, das entspricht bei vielen Herstellern Größe M oder L.

Wichtig: Diese Faktoren sind Erfahrungswerte, keine Naturgesetze. Sie gelten für typische Geometrien. Ein sportliches Trekkingrad kann anders ausfallen als ein komfortables Modell mit tiefem Einstieg.

Schritt 3: Größentabellen der Hersteller richtig lesen

Fast jeder Hersteller veröffentlicht eine Größentabelle, meist mit Körpergröße und manchmal mit Schrittlänge. Diese Tabellen sind auf die eigene Geometrie abgestimmt und daher genauer als die allgemeine Formel. Achte beim Lesen auf drei Dinge:

  • Gilt die Tabelle für Körpergröße oder Schrittlänge? Wenn beides angegeben ist, hat die Schrittlänge Vorrang.
  • Überlappen sich die Bereiche? Liegst du an der Grenze zwischen zwei Größen, entscheidet die Probefahrt und deine bevorzugte Haltung.
  • Ist die Größe in Zentimetern, Zoll oder Buchstaben angegeben? Eine 52 bei einem Hersteller ist nicht automatisch dasselbe wie eine 52 bei einem anderen.

Zwischen zwei Größen: Welche nehmen?

Sehr viele Menschen liegen genau zwischen zwei Größen. Dann hilft diese Faustregel:

  • Kleinere Größe, wenn du wendig und sportlich fahren möchtest, kürzere Arme oder einen kürzeren Oberkörper hast oder häufig auf- und absteigst.
  • Größere Größe, wenn du lange, ruhige Strecken fährst, lange Arme oder einen langen Oberkörper hast und eine gestreckte, laufruhige Position magst.

Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum ist es verlockend, ein zu großes Rad zu kaufen, „damit es länger passt“. Davon raten wir ab. Ein zu großes Rad ist für Kinder schwer zu beherrschen und damit gefährlich. Mehr dazu im Ratgeber über Kinderfahrräder.

Mehr als die Sitzrohrlänge: Stack und Reach

Wer sich etwas tiefer einarbeiten möchte, sollte zwei weitere Maße kennen, die in den Geometrietabellen vieler Hersteller stehen:

  • Stack ist der senkrechte Abstand von der Tretlagermitte bis zur Oberkante des Steuerrohrs. Ein hoher Stack bedeutet eine aufrechtere Haltung.
  • Reach ist der waagerechte Abstand zwischen denselben Punkten. Ein langer Reach bedeutet, dass du dich weiter nach vorne strecken musst.

Zwei Räder mit derselben Rahmengröße können sehr unterschiedliche Stack- und Reach-Werte haben. Wenn du von einem Rad weißt, dass es dir gut passt, kannst du dessen Werte mit einem neuen Modell vergleichen. Das ist viel aussagekräftiger als die Rahmengröße allein.

Schritt 4: Die Probefahrt – so prüfst du die Passform

Keine Formel ersetzt die Probefahrt. Bitte den Händler, Sattel und Lenker vorher grob auf dich einzustellen. Dann prüfst du Folgendes:

Im Stand

  • Überstandshöhe: Stelle dich mit beiden Füßen flach auf den Boden über das Oberrohr. Zwischen Schritt und Oberrohr sollten bei einem Diamantrahmen einige Zentimeter Luft sein. Bei Tiefeinsteigern spielt das keine Rolle.
  • Sattelhöhe: Setze dich auf den Sattel und stelle die Ferse auf das Pedal in der untersten Position. Das Bein sollte jetzt fast ganz gestreckt sein. Beim normalen Treten mit dem Fußballen bleibt das Knie dann leicht gebeugt. Das ist die richtige Höhe.
  • Lenkerposition: Mit den Händen am Lenker sollten deine Arme leicht gebeugt sein, die Schultern entspannt. Wenn du die Arme durchdrücken musst, ist das Rad zu lang. Wenn deine Knie fast an die Ellbogen stoßen, ist es zu kurz.

Während der Fahrt

  • Kannst du locker über die Schulter blicken, ohne die Spur zu verlieren?
  • Fühlt sich das Rad bei langsamem Tempo stabil an, etwa beim Anfahren an einer Ampel?
  • Hast du nach zehn Minuten Druck auf den Händen, im Nacken oder im Schritt?
  • Kommst du beim Anhalten sicher mit einem Fuß auf den Boden, wenn du vom Sattel nach vorne rutschst?

Wenn sich mehrere Antworten falsch anfühlen, probiere die nächste Größe. Kleine Probleme lassen sich häufig mit einem anderen Vorbau, einem anderen Lenker oder einer anderen Sattelposition beheben. Grundlegende Probleme mit der Rahmenlänge nicht.

Feineinstellung nach dem Kauf

Auch das perfekt passende Rad muss auf dich eingestellt werden:

  • Sattelhöhe: Mit der Fersenmethode wie oben beschrieben. Bei Knieschmerzen vorne im Knie ist der Sattel oft zu tief, bei Schmerzen in der Kniekehle oft zu hoch.
  • Sattelneigung: In der Regel waagerecht. Eine leichte Neigung nach vorne kann Druck im Schritt verringern, zu viel lässt dich nach vorne rutschen.
  • Sattelversatz: Wenn die Kurbel waagerecht steht, sollte sich das vordere Knie ungefähr über der Pedalachse befinden. Das ist ein Richtwert, kein Dogma.
  • Lenkerhöhe: Ein höherer Lenker entlastet Rücken und Hände, ein tieferer ist aerodynamischer. Viele Alltagsradler fahren mit einem etwas höheren Lenker entspannter.

Achte darauf, dass die Sattelstütze nie über die Markierung „Min. Insert“ oder „Max.“ hinaus herausgezogen wird. Diese Markierung zeigt, wie weit die Stütze mindestens im Rahmen stecken muss. Wird sie überschritten, kann die Stütze oder der Rahmen brechen.

Besondere Fälle

E-Bikes

Bei Pedelecs gilt im Prinzip dasselbe. Wegen des höheren Gewichts ist ein sicherer Stand beim Anhalten besonders wichtig. Viele Menschen fühlen sich auf einem Pedelec mit Trapez- oder Tiefeinsteigerrahmen wohler, weil sie beim Auf- und Absteigen das schwere Rad nicht so weit kippen müssen.

Sehr große und sehr kleine Menschen

Wer deutlich über 1,95 Meter oder unter 1,55 Meter groß ist, findet im normalen Sortiment oft nur wenige passende Modelle. Manche Hersteller bieten XXL- oder XS-Größen an, außerdem gibt es Spezialisten für große und kleine Räder. Bei kleinen Menschen kann ein Rad mit 27,5-Zoll- statt 28-Zoll-Laufrädern besser passen.

Rückenprobleme und eingeschränkte Beweglichkeit

Wenn du Rückenprobleme hast, ist eine aufrechtere Position mit hohem Stack meist angenehmer. Ein Tiefeinsteiger erleichtert das Aufsteigen, und eine gefederte Sattelstütze kann Stöße mildern. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt sich ein professionelles Bikefitting, und bei medizinischen Fragen das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Die häufigsten Irrtümer

  • „Ich bin 1,80 Meter, also brauche ich Größe L.“ Die Körpergröße ist nur ein grober Anhaltspunkt. Entscheidend sind Schrittlänge und Oberkörper.
  • „Beim Sitzen müssen beide Füße flach auf den Boden.“ Nein. Bei richtiger Sattelhöhe erreichst du den Boden im Sitzen meist nur mit den Zehenspitzen. Zum Anhalten rutschst du nach vorne vom Sattel.
  • „Ein Rad mit zu großem Rahmen kann man einfach niedriger einstellen.“ Die Sattelhöhe ja, die Länge des Rahmens aber nicht.
  • „Eine Größe passt für alle Typen.“ Ein 56er Trekkingrad und ein 56er Rennrad sind völlig unterschiedliche Räder.

Checkliste: In fünf Minuten zur richtigen Größe

  1. Schrittlänge barfuß an der Wand messen.
  2. Mit der Formel für deinen Fahrradtyp eine Rahmenhöhe berechnen.
  3. Mit der Größentabelle des Herstellers vergleichen.
  4. Bei zwei möglichen Größen beide Probe fahren.
  5. Sattel- und Lenkerposition beim Kauf einstellen lassen und nach den ersten Fahrten nachjustieren.

Wer diese Schritte befolgt, findet in den allermeisten Fällen ein Rad, auf dem er sich vom ersten Tag an wohlfühlt. Und ein Rad, auf dem man sich wohlfühlt, ist das Rad, mit dem man gerne fährt.

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