Regenkleidung fürs Fahrrad: Jacke, Hose, Cape und Überschuhe richtig wählen
Regenkleidung fürs Rad: Jacke, Hose, Cape und Überschuhe im Vergleich, Wassersäule und Atmungsaktivität erklärt, dazu Handschuhe, Helm und Pflege.
Wer das Fahrrad im Alltag nutzt, wird früher oder später nass. In Deutschland regnet es an vielen Tagen im Jahr, und wer bei jedem Schauer auf Bus oder Auto umsteigt, fährt im Herbst kaum noch Rad. Mit der richtigen Regenkleidung ist Regen aber nur ein kleines Hindernis. Gute Ausrüstung hält dich trocken, ohne dass du darunter im eigenen Schweiß badest, und sie lässt sich schnell an- und ausziehen.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Regenkleidung für welchen Zweck sinnvoll ist, was die Angaben auf den Etiketten bedeuten und wie du Schuhe, Hände und Kopf trocken hältst.
Die Herausforderung: Wasser von außen, Schweiß von innen
Regenkleidung fürs Rad muss zwei Dinge gleichzeitig leisten. Sie soll Regen und Spritzwasser abhalten, und sie soll den Wasserdampf, den du beim Treten produzierst, nach außen lassen. Eine einfache Plastikjacke hält zwar dicht, aber nach zehn Minuten bist du von innen nass. Hochwertige Regenkleidung nutzt deshalb Membranen oder Beschichtungen, die Wasser abhalten und Dampf durchlassen, und zusätzlich Belüftungsöffnungen.
Was die Zahlen bedeuten
- Wassersäule: Gibt an, wie viel Wasserdruck ein Material aushält, bevor Wasser durchdringt. Ab etwa 10.000 Millimetern gilt Kleidung als regendicht für normale Bedingungen, für Dauerregen und Druck von Rucksackgurten oder Sattel sind 15.000 bis 20.000 Millimeter besser.
- Atmungsaktivität: Wird oft als RET-Wert angegeben. Je niedriger der Wert, desto mehr Wasserdampf lässt das Material durch. Werte unter 6 gelten als sehr atmungsaktiv, bis 12 als gut.
- Getapte Nähte: Nähte sind die Schwachstelle jeder Regenkleidung. Verschweißte oder abgeklebte Nähte verhindern, dass Wasser durch die Stichlöcher dringt.
Regenjacke
Die Regenjacke ist das wichtigste Stück. Eine gute Fahrradregenjacke hat:
- Verlängerten Rücken: Im Sitzen rutscht die Jacke sonst hoch, und der untere Rücken wird nass.
- Lange Ärmel mit verstellbaren Bündchen: Damit kein Wasser in die Ärmel läuft, wenn du die Arme zum Lenker streckst.
- Belüftung: Reißverschlüsse unter den Armen oder eine Rückenbelüftung lassen Wärme entweichen.
- Kapuze, die unter den Helm passt oder sich abnehmen lässt. Eine Kapuze über dem Helm schränkt die Sicht beim Schulterblick ein.
- Reflektoren und helle Farben: Bei Regen sieht man schlechter. Eine Jacke in Signalfarbe mit Reflexstreifen macht dich sichtbar.
- Kleines Packmaß: Für Pendler und Tourenfahrer wichtig, damit die Jacke immer dabei sein kann.
Regenhose
Die Beine werden auf dem Rad besonders nass, weil sie direkt im Regen sind und von unten Spritzwasser bekommen.
- Weite und Schnitt: Die Hose sollte über Alltagskleidung passen, aber am Knöchel eng genug sein, um nicht in die Kette zu geraten. Klett- oder Druckknopfverschlüsse am Bein helfen.
- Reißverschluss am Bein: Damit lässt sich die Hose über Schuhe anziehen, ohne sie auszuziehen.
- Verstärkter Sitzbereich: Am Sattel wird das Material besonders beansprucht.
- Hosenträger oder hoher Bund: verhindern, dass die Hose beim Treten rutscht.
Wer kurze Strecken fährt, kommt oft mit Regenjacke und Schutzblechen aus. Für längere Wege und Pendler ist eine Regenhose unverzichtbar.
Regencape und Poncho
Ein Regencape ist ein weiter Umhang, der Oberkörper, Arme und Oberschenkel bedeckt. Es wird an den Daumen oder am Lenker eingehakt und bildet so ein kleines Dach über den Beinen.
| Regenjacke + Hose | Regencape | |
|---|---|---|
| Schutz | rundum, auch bei Wind | Oberkörper und Oberschenkel, Unterschenkel bleiben teils offen |
| Belüftung | je nach Material | sehr gut, Luft zirkuliert darunter |
| Anziehen | etwas aufwendiger | in Sekunden über Alltagskleidung |
| Wind | gut geeignet | flattert bei starkem Wind, ungünstig bei Böen |
| Einsatz | Pendeln, Touren, sportliches Fahren | Stadt, kurze Strecken, aufrechte Sitzposition |
Ein Cape ist ideal für Stadträder mit aufrechter Sitzposition und kurze Wege über Alltagskleidung. Bei starkem Wind und auf schnellen Rädern ist die Kombination aus Jacke und Hose die bessere Wahl.
Füße trocken halten
Nasse Füße sind besonders unangenehm, weil Schuhe lange zum Trocknen brauchen.
- Überschuhe: Sie werden über die normalen Schuhe gezogen und halten Wasser ab. Für Pendler, die im Büro trockene Schuhe brauchen, sind sie ideal.
- Wasserdichte Schuhe: Schuhe mit Membran halten dicht, bis Wasser von oben über den Rand läuft. Eine Regenhose, die über den Schuh reicht, verhindert das.
- Gamaschen: decken den Übergang zwischen Hose und Schuh ab.
- Schutzbleche: Ein langes Vorderschutzblech mit Spritzlappen hält einen großen Teil des Spritzwassers von den Füßen fern.
Hände und Kopf
- Handschuhe: Wasserdichte Handschuhe sind bei kühlem Regen wichtig, denn kalte, nasse Finger können nicht mehr sicher bremsen. Bei warmem Sommerregen genügen oft normale Radhandschuhe.
- Lenkerstulpen: werden am Lenker befestigt und schützen die Hände vor Regen und Kälte, besonders im Winter.
- Kopf: Ein Helmüberzug oder eine dünne, wasserabweisende Kappe unter dem Helm hält Regen von Kopf und Gesicht fern. Ein kleiner Schirm an der Kappe schützt die Augen.
- Brille: Eine klare Fahrradbrille hält Tropfen aus den Augen. Brillenträger profitieren besonders von einer Kappe mit Schirm.
Das Fahrrad selbst
Regenkleidung ist nur die halbe Miete. Auch das Rad hilft beim Trockenbleiben:
- Schutzbleche vorne und hinten, möglichst lang und mit Spritzlappen.
- Wasserdichte Taschen für Laptop, Kleidung und Unterlagen.
- Kettenschutz, damit die Hose nicht verschmiert.
- Sattelüberzug, wenn das Rad im Regen steht. Eine einfache Duschhaube tut es auch.
Die richtige Größe
Regenkleidung wird über anderer Kleidung getragen, deshalb ist die Größe wichtig. Probiere Jacke und Hose möglichst mit der Kleidung an, die du darunter tragen willst, im Winter also mit Pullover oder Fleece. Setz dich im Laden in Fahrhaltung hin oder strecke die Arme nach vorn, als würdest du den Lenker greifen: Die Ärmel sollen dann noch die Handgelenke bedecken, der Rücken soll nicht freiliegen, und die Hose darf am Knie nicht spannen. Eine zu enge Regenjacke drückt Luft aus der wärmenden Schicht darunter, eine zu weite flattert im Wind und klatscht bei schneller Fahrt.
Wie viel Geld ist sinnvoll?
| Ausrüstung | Einsteiger | Gute Qualität für Vielfahrer |
|---|---|---|
| Regenjacke | 40 bis 80 Euro | 120 bis 300 Euro |
| Regenhose | 30 bis 60 Euro | 80 bis 180 Euro |
| Regencape | 30 bis 60 Euro | 60 bis 120 Euro |
| Überschuhe | 20 bis 40 Euro | 40 bis 70 Euro |
| Wasserdichte Handschuhe | 25 bis 40 Euro | 50 bis 90 Euro |
Für gelegentliche Fahrten reichen günstige Modelle. Wer täglich pendelt, merkt den Unterschied bei Atmungsaktivität, Passform und Haltbarkeit schnell und spart auf Dauer mit langlebiger Kleidung.
Pflege: damit die Regenkleidung dicht bleibt
- Regelmäßig waschen: Schmutz, Schweiß und Hautfett verstopfen die Membran. Wasch die Kleidung nach Herstellerangabe, meist mit einem speziellen Waschmittel für Funktionskleidung und ohne Weichspüler.
- Imprägnieren: Wenn Wasser nicht mehr abperlt, sondern das Obermaterial durchnässt, braucht die Kleidung eine neue Imprägnierung. Viele Imprägnierungen werden durch Wärme reaktiviert, etwa im Trockner oder mit einem Bügeleisen auf niedriger Stufe, wenn der Hersteller das erlaubt.
- Trocken lagern: Nach der Fahrt aufhängen und trocknen lassen, nicht zusammengeknüllt in der Tasche.
- Kleine Schäden reparieren: Für Löcher gibt es spezielle Flicken, die die Kleidung wieder dicht machen.
Tipps für Regentage
- Wetter-App am Morgen: Ein Blick auf das Regenradar zeigt oft, ob ein Schauer in zehn Minuten vorbei ist.
- Regenkleidung immer dabei: Eine kleine, leichte Jacke passt in jede Tasche.
- Wechselkleidung am Ziel: Für Pendler ist ein trockenes Paar Socken im Büro Gold wert.
- Langsamer fahren: Bei Nässe sind Bremswege länger und Markierungen rutschig. Mehr dazu im Ratgeber zum Radfahren bei Regen, Wind und Dunkelheit.
Membran, Beschichtung oder Wachs?
Regenkleidung erreicht ihre Dichtigkeit auf unterschiedlichen Wegen:
- Membran: Eine hauchdünne Schicht zwischen Außenstoff und Futter hält Wasser ab und lässt Wasserdampf durch. Membranjacken sind meist die atmungsaktivsten, aber auch die teuersten.
- Beschichtung: Eine Kunststoffschicht auf der Innenseite des Stoffes macht ihn dicht. Günstiger und robust, aber weniger atmungsaktiv. Für kurze Strecken völlig ausreichend.
- Gewachste Baumwolle: Klassisch, langlebig und angenehm im Alltag, aber schwerer und weniger dicht bei langem Regen. Muss regelmäßig nachgewachst werden.
- Umweltaspekt: Viele Hersteller verzichten inzwischen auf schwer abbaubare Fluorverbindungen in der Imprägnierung. Solche Kleidung perlt anfangs etwas weniger stark ab, braucht aber vor allem regelmäßige Pflege.
Regenkleidung für Kinder
Kinder sitzen oft in Fahrradanhängern unter einem Regenverdeck und bleiben trocken. Fahren sie selbst, brauchen sie wie Erwachsene eine Regenjacke und Regenhose. Achte bei Kinderregenkleidung auf:
- Robustheit: Kinder rutschen, klettern und setzen sich in Pfützen.
- Leichtes Anziehen: Hosen mit Trägern und Jacken mit großen Reißverschlüssen, die Kinder selbst bedienen können.
- Sichtbarkeit: Leuchtende Farben und Reflexstreifen, weil Kinder im Verkehr leicht übersehen werden.
- Nichts, was sich verfängt: Bänder und lange Kordeln können in Speichen oder Kette geraten.
Häufige Fragen
Reicht eine normale Outdoorjacke? Für kurze Wege ja. Wanderjacken sind aber oft vorne zu kurz und hinten nicht verlängert, und die Kapuze passt nicht unter den Helm. Wer häufig im Regen fährt, ist mit einem Modell für Radfahrer besser bedient.
Wie lange hält eine gute Regenjacke? Bei regelmäßiger Pflege viele Jahre. Die Membran selbst ist langlebig, verschleißen eher die Imprägnierung, die Bündchen und die Reißverschlüsse. Viele Hersteller bieten Reparaturen an, was oft günstiger ist als eine neue Jacke.
Warum bin ich trotz Regenjacke nass? Meist ist es Schweiß. Bei hoher Anstrengung kann keine Membran allen Wasserdampf abführen. Öffne die Belüftung, fahr etwas langsamer und trag darunter Funktionskleidung statt Baumwolle.
Fazit
Mit der richtigen Regenkleidung ist Radfahren bei Regen kein Grund zum Umsteigen. Eine atmungsaktive Regenjacke mit verlängertem Rücken, Belüftung und Reflexelementen ist das wichtigste Stück, ergänzt durch eine Regenhose für längere Wege oder ein Cape für kurze Stadtfahrten. Überschuhe, wasserdichte Handschuhe und eine Kappe unter dem Helm schützen Füße, Hände und Kopf. Schutzbleche und wasserdichte Taschen am Rad sorgen für den Rest. Wasche und imprägniere die Kleidung regelmäßig, dann hält sie viele Jahre dicht.